Trollfjord

Wir verlassen den Trollfjord.

Trollfjord im Nebel

Auf der Suche nach den Seeadlern

Der Morgen begrüßt uns mit Regentropfengetrommel auf dem Zeltdach. Man kann bei Regen wandern gehen, muss man aber nicht. Dank des nahen Supermarktes gibt es frische Brötchen zum Frühstück. Fällt heute das Aufbacken vorm Heizlüfter weg. Dazu leckere Jordbærmarmelade (Erdbeermarmelade mit ganzen Erdbeeren) und regionalen Käse.

Das Wetter entschließt sich, seinen Plan für heute durchzuziehen. Es regnet und nebelt vor sich hin. Es muss schnell ein Plan für heute her. Dieser erscheint in den vorhandenen Reiseführern in Form des Trollfjords. Auf den Vesterålen kann das Wetter ein paar Kilometer weiter schon ganz anders aussehen.

150 km weiter und zweieinhalb Stunden später ist das Wetter nicht wirklich besser. Wenigstens regnet es nicht, aber es ist trüb und kalt. Svolvær mit seinen 4500 Einwohnern gilt als die Hauptstadt der Lofoten. Die Stadt besitzt einen der wichtigsten Fischereihäfen Nordnorwegen. Umgeben von einer 800 m hohen Bergkette verteilen sich die Häuser und Gewerbeanlagen auf mehrere Inseln und Halbinseln. Im zweiten Weltkrieg wurde Svolvær von den Deutschen besetzt. Bei der Befreiung durch die Briten wurden große Teile der Stadt zerstört. Das sieht man ihr heute noch an. Sie wurde zwar wieder aufgebaut, aber Charme und Charakter fehlen. Das Wahrzeichen der Stadt soll der Berg Svolværgeita sein. Er sieht aus wie zwei Hörner einer Ziege und ganz Verrückte springen die eineinhalb Meter von dem einem zum anderen Horn.

Svolvær
Blick auf Svolvær

Unser Ziel ist der Hafen. Von dort sollen täglich Fahrten in den Trollfjord angeboten werden. Die erste Herausforderung war die Suche nach einem Parkplatz. Gesperrte Straßen und  überall nur Parkzonen für maximal eine Stunde stellten unsere Nerven auf die Probe. Etwas weiter vom Zentrum entfernt, hatte der Parkgott ein Einsehen mit uns. Ein freier Parkplatz, kein Sperrschild, keine Einwohnerparkzone.

Im Zentrum am Hafen befindet sich tatsächlich mitten auf dem Platz ein kleiner Kiosk von Trollfjordcuise.  https://www.trollfjordcruise.com/ Die fahren mit ihren Booten M/S Trolltind und M/S Orca bis in den Trollfjord. Ein neues Problem tat sich auf. Wir waren die ersten zwei Leute, die mit der Tour 13.30 Uhr fahren wollten. Unser Name wurde notiert und wir sollten 10 Minuten vor Abfahrt noch mal nachfragen, ob die Tour stattfindet.

Zeit genug für ein Mittagessen. Wir entschlossen uns im nahen Café einen Kaffee zu trinken und ein belegtes Brötchen zu essen. Schwupps waren 22 Euro in der Kasse  des Cafés verschwunden. Im Nachhinein betrachtet unser teuerstes Urlaubsbrötchen.

Hoffnungsvoll begeben wir uns nach diesem Mahl zum Ticketschalter. Drei Interessenten waren noch dazugekommen. Nicht genug für einen Trip. Mindestens 10 Mitfahrer sollen laut Webseite  zusammenkommen. Da kommt ein junges Pärchen über den Platz geschlendert. 5 Leute drücken die Daumen und fangen an, die zwei auf die Tour hinzuweisen. Und tatsächlich, sie entschließen sich zum Mitfahren und die Fahrt startet mit nur 7 Fjordfahrern.

Unser Schiff, die MS Trolltind
Unser Schiff, die MS Trolltind

Unser Schiff, die M/S Trolltind, ist ein alter Fischkutter. Charmanter als ganz Svolvær. Die Crew hielt für ihre tapferen Seefahrertouristen warme Ganzkörperanzüge bereit. Diese leisteten uns bei den nächsten 3 Stunden auch gute Dienste. An Deck pfiff der Wind empfindlich kalt. Auch gegen den zeitweise einsetzenden Regen leisteten unsere Vollkörperkondome gute Dienste. Unter Deck gab es Kaffee, Tee und Kekse.

Wir ließen die Stadt hinter uns und tuckerten mit rauschendem Wassergewirbel an unzähligen Inselchen vorbei Richtung Trollfjord. Am Rande tauchten einzelne kleine Gehöfte auf. Auf der linken Seite entdecken wir die runden Gitter von Aquakulturen. Diese sahen wir auch schon in vielen anderen Orten. Außer uns war nur ein einziges kleines Boot auf dem Meer unterwegs. Kein Fischerboot (die fahren schon früh morgens), kein Kreuzfahrtschiff (denen ist es schon zu kalt), keine Paddler.

Unser Boot verringerte die Geschwindigkeit um dann ganz anzuhalten. Ein Seemann holte seine Angel heraus und fing zu Angeln an. An einer Schnur waren gleich 5 Haken befestigt und wie sollte es anders sein –  es bissen auch 5 Fische gleichzeitig an. Das nenn ich mal Anglerglück. Oder einfach nur wissen, wo die Fische sind. Das Abendessen ist somit gerettet.

Das wird nicht das Abendessen, sondern Lockfutter für die Seeadler.
Das wird nicht das Abendessen, sondern Lockfutter für die Seeadler.

Nach etwa 1,5 Stunden erreichten wir endlich den Trollfjord. Dieser ist ein extrem schmaler Nebenarm des Raftsunds. Links und rechts ragen die Felsufer steil in die Höhe. Insgesamt soll er 2,5 km lang und an der engsten Stelle nur 100 m breit sein. Richtig beeindruckend ist bestimmt die Einfahrt mit einem riesigen Kreuzfahrtschiff. Diese müssen am Ende des mehrere hundert Meter tiefen, aber sehr schmalen Fjords auf der Stelle drehen.

Seinen Namen verdankt der Trollfjord einer alten Sage. Laut dieser sollen die dort wohnenden Trolle eintausend Jahre schlafen und dann erwachen. Auf einem Felsvorsprung entdeckten wir zwar einen Troll, dieser sah aber nicht sehr lebendig aus und gilt darum nicht. Auf jeden Fall haben wir es heil wieder aus dem Fjord heraus geschafft. Die Sage lässt sich jedoch auch nicht darüber aus, was passiert, wenn die Trolle aufwachen. Vielleicht singen sie uns ja auch ein flottes Lied.

Der Raftsund trennt übrigens die beiden Inselgruppen der Lofoten und Vesterålen und ist ganze 20 Kilometer lang.

Auf der Rückfahrt erklärte sich dann auch die Angelei von vorhin. Die Fische waren doch nicht für das Abendessen der Seeleute bestimmt, sondern wurden für das Anlocken der dort heimischen Seeadler. Diese warteten bereits auf ihr leicht zu erbeutendes Mal. Hoch über uns kreisend erspähten sie die ins Meer zurückgeworfenen Fische und gleiten in großen Kreisen immer näher. Urplötzlich stürzen sie sich auf ihre Beute, packen diese mit den Krallen und machen sich schnell vom Acker. Oft zu schnell für meine Kamera. Richtig scharfe Bilder sind es leider nicht geworden. Im Laufe des Nachmittags sahen wir bestimmt 6 Adlern beim Jagen zu. War mehr ein ernten als ein jagen, denn die Fische waren schon tot und konnten sich nicht mehr wehren.

Endlich mal ein halbwegs scharfes Bild eines Seeadlers.
Endlich mal ein halbwegs scharfes Bild eines Seeadlers.

Der Seeadler kann bis zu 40 Jahren alt werden. Seine Flügelspannweite reicht  bis zu 2,60 m und er wiegt zwischen fünf und sieben Kilo. Er ist der größte heimische Greifvogel. Anders als bei den Menschen ist hier das Weibchen der Kräftigere. Erst im Alten von 5 Jahren werden Seeadler geschlechtsreif. Sie ernähren sich von Fischen und Wasservögeln, zur Not auch von Aas.

Begleitet wurden wir auch von einem Schwarm Möwen. Die wussten warum. Es gab noch trocken Brot für sie. Und manche waren so keck und stibitzten sich das Futter gleich aus der Hand. Andere ließen sich für eine kleine Pause auf dem Boot nieder.

Nach 3,5 Stunden erreichten wir mit unserer „Trolltind“ wieder den Hafen in Svolvær. Alles in allem war es eine tolle Tour und trotz des trüben Wetters hatten wir noch einen recht passablen Blick auf die Gegend. Und die Show mit den Seeadlern und Möwen war sowieso imposant.

 

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